KI im Recht: Nachbericht zum Workshop „KI verstehen“ bei Benn-Ibler | #LegalTech Wien

KI im Recht: Nachbericht zum Workshop „KI verstehen“ bei Benn-Ibler | #LegalTech Wien

17. Feb. 2026 ·
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Wien, 17. Februar 2026

Workshop “KI verstehen”: Was Jus-Studierende heute schon wissen müssen

Künstliche Intelligenz verändert die Rechtspraxis – nicht irgendwann, sondern jetzt. Am Dienstagabend, 17. Februar 2026 lud die Kanzlei Benn-Ibler gemeinsam mit den Partnern Cybly und LawFinder zum Workshop „KI verstehen: Wie Jus-Studierende heute schon KI nutzen können“ in die Schreyvogelgasse 3 in Wien. Rund zwei Stunden lang erfuhren und diskutierten Studierende, Praktikerinnen und Technologieexpert:innen, was KI kann, was sie nicht kann und warum diese Unterscheidung für die Rechtspraxis von morgen entscheidend ist.

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KI ist Statistik, keine Magie.

Der erste und vielleicht wichtigste Take-away des Abends klang einfach, hat es aber in sich: KI sagt das nächste Wort bzw. die nächste Silbe voraus – nicht die Wahrheit. Wer diese Grundprämisse verinnerlicht, geht mit deutlich mehr kritischer Distanz an KI-generierte Texte, Zusammenfassungen oder Rechercheergebnisse heran. Für Juristinnen und Juristen, die mit Präzision und Verlässlichkeit arbeiten, ist dieses Verständnis keine technische Spitzfindigkeit, sondern eine Berufspflicht.

Besonders prägnant wurde der Unterschied zwischen Large Language Models (LLMs) und klassischen Datenbanken herausgearbeitet: Ein LLM ist keine Datenbank. Es kann Informationen nicht dauerhaft speichern oder in Echtzeit aktualisieren. Sein Wissen ist nach dem Training eingefroren. Für die Rechtspraxis bedeutet das: Wer ein LLM nach der aktuellen Rechtslage fragt, erhält unter Umständen veraltete oder halluzinierte Antworten. Nur strukturierte, kontrollierte Daten ermöglichen verlässliche, automatisierte Ergebnisse bzw. Workflows.

Compound AI: Wenn Systeme im Verbund bessere Ergebnisse liefern als einzelne

Ein zentrales Konzept des Workshops war das Prinzip des Compound AI – die intelligente Kombination mehrerer Systeme zu einem leistungsfähigen Gesamtwerkzeug. Legal-KI erfordert ein Zusammenspiel spezialisierter Komponenten:

  • LLMs als Interface: Sie ermöglichen die Kommunikation in natürlicher Sprache und übersetzen komplexe juristische Anfragen für nachgelagerte Systeme.

  • Strukturierte Wissensbasis: Wissensgraphen liefern die verlässlichen, aktuellen Fakten u.a. Gesetzestexte, Entscheidungen oder interne Kanzleidaten.

  • Regel-Engines: Sie übernehmen u.a. die logische Prüfung und sorgen für Konsistenz und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse.

Erfolg in der Legal-KI verspricht nicht das mächtigste Modell, sondern die intelligenteste Kombination: strukturierte Rechtsdaten, kontrollierte Workflows und kompetente Fachkräfte, die KI als Werkzeug zur Steigerung juristischer Qualität und Effizienz einsetzen. Diese Erkenntnis spiegelt wider, was Benn-Ibler als Kanzlei lebt: juristische Expertise, ergänzt durch den gezielten Einsatz digitaler Werkzeuge.

KI-Kompetenz (AI Literacy): Rechtliche Pflicht und praktische Notwendigkeit

Mit dem EU AI Act rückt KI-Kompetenz auch rechtlich in den Fokus. Der Workshop machte deutlich: AI Literacy ist für Juristinnen und Juristen nicht optional – sie ist Voraussetzung für eine verantwortungsvolle und sinnvolle Nutzung KI-gestützter Werkzeuge. Wer nicht versteht, wie ein System zu seinen Ergebnissen kommt, kann diese weder kritisch bewerten noch gegenüber Mandanten oder Gerichten vertreten.

Risikomanagement und ethische Leitplanken standen dabei ebenso auf der Agenda: funktionale, operative und rechtliche Risiken wurden konkret benannt. Als wirksame Strategien zur Risikominimierung wurden menschliche Aufsicht (Human-in-the-Loop), konsequente Transparenz sowie regelmäßige Audits und Feedbackschleifen zur Weiterentwicklung der Systeme hervorgehoben.


Juristische Ausbildung neu denken: Von passivem Wissen zur aktiven Anwendung

Der Workshop richtete sich bewusst an Jus-Studierende. Die juristische Ausbildung muss sich von der passiven Wissensvermittlung hin zur aktiven Nutzung im digitalen Umfeld entwickeln. Zwei konkrete Möglichkeiten wurden im Detail vorgestellt:

Interaktiver KI-Mentor – LegalNetics AI von Cybly ermöglicht es u.a. Studierenden, „Was-wäre-wenn“-Szenarien komplexer Rechtsfälle in Echtzeit zu simulieren, juristische Argumentation strukturiert zu trainieren und unmittelbares Feedback zu erhalten. KI als Sparring Partner.

ReMeP „Law As Code“ Hackathon 2026 – Ein innovatives Format für erfahrungsbasiertes Lernen: Interdisziplinäre Teams aus Recht, IT und Linguistik arbeiten gemeinsam an realen, rechtlichen Herausforderungen. Interessierte Studierende können sich noch bis Ende Februar 2026 unter ReMeP. anmelden.


Fazit: Transformation erfordert Kompetenz nicht nur Technologie

Der Workshop hat einmal mehr gezeigt, wofür Benn-Ibler steht: Wirtschaftsrecht trifft Digitalisierung – nicht als Schlagwort, sondern als gelebte Praxis. Die Implementierung von KI in der Rechtspraxis ist eine strukturelle und kulturelle Transformation. Sie gelingt nicht durch den blinden Einsatz leistungsfähiger Modelle, sondern durch die intelligente Kombination aus strukturierten Rechtsdaten, kontrollierten Workflows und dem juristischen Urteilsvermögen erfahrener Fachkräfte.

Für Studierende bedeutet das: Wer KI nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung des eigenen juristischen Denkens begreift, ist bestens auf die Rechtspraxis von morgen vorbereitet. Und für Unternehmen und Mandanten, die rechtliche Begleitung im digitalen Umfeld suchen: Der Abend hat gezeigt, dass Benn-Ibler nicht nur über Digitalisierung spricht – sondern sie aktiv mitgestaltet.

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